Ein schriller Ton und alle Gespräche verstummen. Wir erklären, wie Rückkopplung entsteht, warum sie gerade bei einem bestimmten Ton auftritt und wie Sie sie zuverlässig vermeiden.
Das kennen Sie
Die Rede im Ratssaal beginnt, die Schulleitung tritt in der Aula ans Rednerpult, auf dem Stadtfest wird das Mikrofon eingeschaltet – und plötzlich schwillt ein Ton an, bis er unerträglich laut pfeift. Manchmal kündigt er sich vorher als leichtes Klingeln oder Dröhnen in der Stimme an. Dieses Phänomen heißt Rückkopplung (im Englischen Feedback). Es ist kein Defekt eines einzelnen Geräts, sondern entsteht aus dem Zusammenspiel von Mikrofon, Verstärker, Lautsprecher und Raum. Die gute Nachricht: Wer den Mechanismus versteht, kann Rückkopplungen mit Planung und den richtigen Einstellungen fast immer vermeiden.
Der Kreislauf
Jede Rückkopplung folgt demselben Kreislauf. Klicken Sie sich durch die einzelnen Stationen.
Schritt 1 von 5
Das Mikrofon wandelt Schall in ein elektrisches Signal – nicht nur die Stimme, sondern alles, was es erreicht.
Ein Mikrofon unterscheidet nicht zwischen gewolltem und ungewolltem Schall. Es nimmt die Stimme der Rednerin auf, aber ebenso Raumgeräusche, Nachhall und den Schall, der aus den eigenen Lautsprechern kommt.
Rückkopplung bedeutet allgemein, dass ein Teil des Ausgangssignals eines Systems wieder an seinen Eingang gelangt. Das ist nicht grundsätzlich schlecht: In der Elektronik und der Regelungstechnik wird Gegenkopplung gezielt eingesetzt, um Verstärker oder Regelkreise zu stabilisieren – das zurückgeführte Signal wirkt dem Eingangssignal entgegen. Bei der akustischen Rückkopplung passiert das Gegenteil: Das zurückgeführte Signal verstärkt das ursprüngliche, Fachleute sprechen von Mitkopplung.
Entscheidend ist, wie stark das Signal auf seinem Weg durch den Kreislauf insgesamt verstärkt oder abgeschwächt wird – die sogenannte Schleifenverstärkung. Liegt sie unter 1, wird jede Runde leiser, und der Kreislauf läuft sich tot. Erreicht oder überschreitet sie 1, wird das Signal mit jedem Durchlauf lauter. Schon kurz vor dieser Grenze klingt die Anlage unsauber: Stimmen bekommen einen hallig-metallischen Beiklang, das sogenannte Klingeln.
Rückkopplung entsteht nicht gleichmäßig über alle Tonhöhen. Damit sich ein Signal aufschaukeln kann, muss es nach einem Durchlauf mit passender Phase wieder am Mikrofon ankommen. Gleichzeitig hat jede Komponente – Mikrofon, Lautsprecher und vor allem der Raum mit seinen Resonanzen – Frequenzbereiche, in denen sie besonders viel Pegel überträgt. Wo beides zusammenkommt, überschreitet die Schleifenverstärkung zuerst die kritische Grenze. Deshalb pfeift eine Anlage meist auf einer ganz bestimmten Frequenz – und erst bei weiterer Verstärkung auf weiteren.
In der Beschallungsplanung heißt die nutzbare Verstärkung bis zur Rückkopplungsgrenze Gain before Feedback. Sie hängt vor allem vom Verhältnis zweier Abstände ab: wie nah die Schallquelle am Mikrofon ist und wie nah der Lautsprecher. Je näher die Stimme und je weiter der Lautsprecher, desto mehr Reserve. Hinzu kommen die Richtcharakteristik von Mikrofon und Lautsprecher, die Raumakustik und die Anzahl gleichzeitig offener Mikrofone.
In Videokonferenzen tritt ein verwandtes, aber anderes Problem auf: Die Gegenseite hört ihre eigene Stimme zeitversetzt als Echo. Das Signal schaukelt sich dabei nicht auf, sondern wird einmal zurückgeschickt. Gegen dieses Echo hilft eine spezielle Signalverarbeitung, die Echounterdrückung. Wie sie funktioniert, erklären wir im Wissensartikel Acoustic Echo Cancellation.
Faustregeln
Drei Werte aus der Beschallungsplanung, die erklären, warum kleine Änderungen viel bewirken.
Schleifenverstärkung
Ab diesem Wert kommt mehr Signal am Mikrofon an, als ursprünglich hineinging und die Rückkopplung stapelt sich.
Halber Abstand zum Mund
Wird der Abstand zwischen Mund und Mikrofon halbiert, steigt die nutzbare Verstärkung vor der Rückkopplung um rund 6 dB.
Doppelt so viele offene Mikrofone
Jede Verdopplung gleichzeitig offener Mikrofone verringert die nutzbare Verstärkung um rund 3 dB.
Maßnahmen
Die wirksamsten Maßnahmen setzen bei Abstand, Ausrichtung und Raum an – Filter und Prozessoren helfen zusätzlich. Filtern Sie nach Bereich.
Nah am Mund sprechen
Der einfachste und wirksamste Hebel: Je näher die Stimme am Mikrofon ist, desto weniger Verstärkung braucht sie – und desto mehr Reserve bleibt bis zur Rückkopplung.
Richtmikrofone gezielt ausrichten
Mikrofone mit Nieren- oder Supernierencharakteristik nehmen vor allem von vorn auf. Richten Sie sie so aus, dass ihre unempfindlichste Seite zum Lautsprecher zeigt.
Ungenutzte Mikrofone stummschalten
Jedes offene Mikrofon nimmt Lautsprecherschall auf. Wer gerade nicht spricht, sollte stummgeschaltet sein – manuell, per Sprechtaste oder automatisch.
Mikrofonkorb nicht umgreifen
Wer ein Handmikrofon am Korb umfasst, verändert dessen Richtcharakteristik. Das Mikrofon nimmt dann deutlich mehr Schall von der Seite und von hinten auf.
Lautsprecher vor den Mikrofonen
Lautsprecher gehören vor die Sprechposition und sollten vom Mikrofon weg in Richtung Publikum abstrahlen – nicht von hinten oder direkt von oben auf das Rednerpult.
Gezielt beschallen statt laut
Mehrere verteilte oder gerichtete Lautsprecher bringen die Sprache gleichmäßig zum Publikum, ohne dass einzelne Bereiche – und damit das Mikrofon – übermäßig laut beschallt werden.
In-Ear statt Bühnenmonitor
Monitorlautsprecher auf der Bühne zeigen direkt auf die Mikrofone. In-Ear-Monitoring nimmt diesen Rückkopplungsweg vollständig aus dem System.
Notch-Filter und parametrischer EQ
Schmale Filter senken genau die Frequenzen ab, die zuerst pfeifen. Beim Einmessen werden diese Frequenzen gezielt gesucht und behutsam abgesenkt.
Automatischer Feedback-Suppressor
Er erkennt entstehende Rückkopplungen und setzt selbstständig schmale Filter. Wichtig ist eine maßvolle Einstellung, denn zu viele Filter verfärben den Klang.
Automixer
Ein Automixer öffnet nur die Mikrofone, in die gerade gesprochen wird. So bleibt die Zahl offener Mikrofone klein – ideal für Sitzungssäle mit vielen Plätzen.
Leichte Frequenzverschiebung
Eine Verschiebung um wenige Hertz verhindert, dass das Signal phasengleich zurückkommt. Für Sprache brauchbar, für Musik meist ungeeignet.
Raumakustik verbessern
Absorber an Wänden und Decke reduzieren Reflexionen und Nachhall. Weniger Schall gelangt zurück zum Mikrofon, und die Sprachverständlichkeit steigt gleich mit.
Anlage einmessen
Eine fachgerecht eingemessene Anlage kennt die kritischen Frequenzen des Raums. Pegel, Filter und Grenzwerte sind dann so eingestellt, dass im Alltag niemand nachregeln muss.
Häufige Fragen
Beschallung aus Ostfriesland
Ob Sitzungssaal, Aula, Hörsaal oder Veranstaltung: LS IT & MEDIA plant Beschallung und Mikrofonierung herstellerunabhängig und misst Ihre Anlage so ein, dass sie im Alltag zuverlässig funktioniert – persönlich betreut von unseren Standorten in Leer und Oldenburg.
