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Warum Sie sich in Videokonferenzen manchmal selbst hören – und wie ein lernender Algorithmus das in Millisekunden verhindert.
Ohne Echounterdrückung wären hybride Meetings mit Lautsprecher und Raummikrofon kaum möglich: Jede Stimme der Gegenseite käme zeitversetzt zu ihr zurück. Wir erklären, wie Acoustic Echo Cancellation arbeitet, wo sie im Signalweg sitzt und welche Fehler in der Praxis immer wieder zu Echo führen.
Mythos & Fakt
Rund um Echo in Videokonferenzen halten sich hartnäckige Missverständnisse. Klicken Sie auf eine Karte, um den Fakt zu sehen.
Acoustic Echo Cancellation (AEC) heißt auf Deutsch akustische Echokompensation oder Echounterdrückung. Gelegentlich ist auch von „Active Echo Cancellation“ die Rede – gemeint ist dasselbe Prinzip. AEC ist eine Signalverarbeitung, die verhindert, dass die Stimme der Gegenseite über den eigenen Lautsprecher und das eigene Mikrofon wieder zurückgeschickt wird.
Das Problem entsteht in jedem Raum, in dem Lautsprecher und Mikrofon gleichzeitig aktiv sind: Die Stimme aus dem Lautsprecher breitet sich im Raum aus, wird direkt und über Wände, Decke und Tisch reflektiert und erreicht schließlich das Mikrofon. Ohne Gegenmaßnahme hört die Gegenseite sich selbst – verzögert um die Übertragungszeit des Netzes und der Geräte. Schon wenige Zehntelsekunden Versatz machen ein Gespräch anstrengend.
Der entscheidende Vorteil der Echounterdrückung: Sie kennt das störende Signal bereits. Kurz bevor das Signal der Gegenseite zum Lautsprecher geht, wird eine Kopie als Referenzsignal abgegriffen. Die AEC sucht im Mikrofonsignal genau nach diesem Signal – so, wie es nach dem Weg durch den Raum klingt.
Auf dem Weg vom Lautsprecher zum Mikrofon verändert der Raum das Signal: Es kommt leiser, klanglich gefärbt und mit vielen zeitversetzten Reflexionen an. Diese Eigenschaften des Raums lassen sich als Raumimpulsantwort beschreiben. Ein adaptiver Filter – meist ein Verfahren aus der Familie der LMS-Algorithmen – bildet diese Impulsantwort laufend nach, berechnet daraus aus dem Referenzsignal eine Schätzung des Echos und zieht sie vom Mikrofonsignal ab. Was übrig bleibt, ist im Idealfall nur die Stimme im eigenen Raum.
Weil sich die Bedingungen ständig ändern – Menschen bewegen sich, Türen gehen auf, jemand verschiebt einen Laptop –, lernt der Filter ununterbrochen nach. Wie schnell er sich auf eine neue Situation einstellt, heißt Konvergenz und wird in Dezibel pro Sekunde angegeben.
Der Filter kann das Echo nur über eine begrenzte Zeitspanne nachbilden, die Tail Length. In Audioprozessoren für Konferenzräume sind Werte um 200 Millisekunden üblich, für sehr hallige Räume bis 400 Millisekunden. Klingt das Echo im Raum länger nach, als der Filter erfassen kann, bleibt ein hörbares Restecho.
Die schwierigste Situation für jede Echounterdrückung ist Double-Talk: Beide Seiten sprechen gleichzeitig. Dann enthält das Mikrofonsignal Echo und eigene Stimme zugleich. Passt sich der Filter in diesem Moment an, lernt er Falsches – im ungünstigsten Fall unterdrückt er die eigene Stimme. Eine gute AEC erkennt Double-Talk zuverlässig und hält das Lernen so lange an.
Der adaptive Filter arbeitet linear und kann nicht jedes Echo vollständig entfernen, etwa wenn Lautsprecher verzerren. Eine nachgeschaltete Restecho-Unterdrückung, oft auch Non-Linear Processing (NLP) genannt, entfernt diesen Rest. Ist sie zu aggressiv eingestellt, schneidet sie bei Double-Talk Silben ab, und das Gespräch wirkt wie beim Funkgerät: Immer nur eine Seite kommt durch.
Wie gut eine Echounterdrückung arbeitet, lässt sich messen: Die Echo Return Loss Enhancement (ERLE) gibt in Dezibel an, um wie viel der adaptive Filter das Echo abgesenkt hat.
Echo und Rückkopplung werden oft verwechselt, haben aber unterschiedliche Ursachen. Bei einer Rückkopplung schaukelt sich das Signal im selben Raum bis zum Pfeifen auf. Wie das passiert und was dagegen hilft, lesen Sie in unserem Wissensartikel zur Rückkopplung.
Im Sitzungssaal der Stadt Leer nehmen zwei Sennheiser-Deckenmikrofone den gesamten Raum auf, die Signale gelangen über einen Dante AVIO USB-Adapter zum Konferenz-PC. Die Echounterdrückung übernimmt dort Microsoft Teams selbst und eine zusätzliche AEC im Signalweg haben wir bewusst nicht eingerichtet. So arbeitet genau eine Echounterdrückung, und es gibt keine zweite Stufe, die ihr in die Quere kommt. Mehr zum Projekt lesen Sie in unserem Projektbericht zum Sitzungssaal der Stadt Leer.
Im Signalweg
Die AEC kann an unterschiedlichen Stellen sitzen. Entscheidend ist nicht, wo – sondern dass es pro Signalweg genau eine ist.

Microsoft Teams, Zoom und andere Konferenzlösungen bringen eine eigene Echounterdrückung mit, zeigt es in den Einstellungen jedoch nicht an. Sie arbeitet direkt auf dem Laptop oder Konferenz-PC und ist für Einzelarbeitsplätze und viele Besprechungsräume die naheliegende Lösung.
Bausteine
Die Kernfunktionen entscheiden, ob Echo zuverlässig verschwindet. Die Ergänzungen sorgen für eine angenehme, gleichmäßige Sprachqualität.
Sauberes Referenzsignal
Eine Kopie genau des Signals, das aus dem Lautsprecher kommt – einschließlich lokal abgespielter Videos oder Präsentationston, aber ohne die eigenen Mikrofone.
KernAdaptiver Filter
Bildet den Weg vom Lautsprecher zum Mikrofon laufend nach, schätzt das Echo und zieht es vom Mikrofonsignal ab.
KernPassende Tail Length
Muss lang genug sein, um das Nachklingen des Raums zu erfassen – in halligen Sälen deutlich länger als im kleinen Besprechungsraum.
KernDouble-Talk-Erkennung
Erkennt, wenn beide Seiten gleichzeitig sprechen, und verhindert, dass der Filter in dieser Situation Falsches lernt.
KernRestecho-Unterdrückung
Entfernt, was der lineare Filter übrig lässt. Die Einstellung ist ein Abwägen zwischen Echofreiheit und natürlichem Gesprächsfluss.
KernRauschunterdrückung
Senkt gleichmäßige Störgeräusche wie Lüfter, Beamer oder Klimaanlage ab, ohne die Sprache zu beeinträchtigen.
ErgänzungAutomatische Pegelregelung (AGC)
Gleicht leise und laute Sprecherinnen und Sprecher an. Zu viel Verstärkung hebt allerdings auch das Grundrauschen an.
ErgänzungAutomixer
Öffnet in Räumen mit mehreren Mikrofonen nur diejenigen, in die gerade gesprochen wird. Weniger offene Mikrofone bedeuten weniger Raumgeräusche und weniger Echo.
ErgänzungPraxis-Checkliste
Die meisten Echoprobleme entstehen nicht durch schlechte Algorithmen, sondern durch Fehler in Planung und Konfiguration.
Legen Sie fest, ob Software, Konferenzgerät oder Audioprozessor die Echounterdrückung übernimmt – und deaktivieren Sie sie an den anderen Stellen, wo das möglich ist.
Das Referenzsignal sollte so nah wie möglich am Lautsprecherausgang und hinter Klangregelung und Filtern abgegriffen werden – und keine Mikrofonsignale aus dem eigenen Raum enthalten.
Bearbeitet ein Limiter oder Kompressor das Lautsprechersignal erst nach dem Referenzabgriff, passt das Echo nicht mehr zur Referenz, und die AEC erkennt es schlechter.
Eine ausgewogene Verstärkung zwischen Mikrofonen, Referenz und Lautsprechern ist die Grundlage. Zu hohe Pegel überfordern die Echounterdrückung und führen zu Fehlentscheidungen bei Double-Talk.
Verzerrungen sind für den linearen Filter nicht vorhersagbar und bleiben als Restecho übrig. Lautsprecher sollten so dimensioniert sein, dass sie in normaler Lautstärke sauber spielen.
Je weniger Lautsprecherschall direkt ins Mikrofon gelangt, desto leichter hat es die Echounterdrückung. Deckenmikrofone sollten nicht unmittelbar neben Deckenlautsprechern hängen.
Weniger Nachhall bedeutet ein kürzeres Echo, das der Filter vollständig erfassen kann – und bessere Sprachverständlichkeit für alle im Raum.
Hören Sie sich selbst, entsteht das Echo im Raum Ihres Gegenübers. Bitten Sie dort um ein Headset oder prüfen Sie gemeinsam die Einstellungen.
Häufige Fragen
Auf den Punkt
Sie planen einen Besprechungsraum oder Sitzungssaal für hybride Zusammenarbeit? LS IT & MEDIA plant Konferenz- und Audiotechnik herstellerunabhängig und richtet die Signalwege so ein, dass Echo gar nicht erst entsteht – persönlich betreut von unseren Standorten in Leer und Oldenburg. Rufen Sie uns an unter 0491 97685-0 oder schreiben Sie an info@ls-it-media.de.
Eine klare Zuständigkeit
Genau eine Echounterdrückung pro Signalweg – in der Software, im Konferenzgerät oder im Audioprozessor.
Saubere Signalwege
Richtig abgegriffene Referenz, ausgewogene Pegel und Lautsprecher, die nicht verzerren.
Ein Raum, der mitspielt
Durchdachte Platzierung von Mikrofonen und Lautsprechern und eine Raumakustik mit wenig Nachhall.
