Medientechnik · Ratgeber
Mikrofone, Mischpulte, Lautsprecher und Konferenz-PCs sprechen heute über eine gemeinsame Netzwerkleitung miteinander – unkomprimiert und praktisch ohne hörbare Verzögerung.
Wo früher für jedes Mikrofon ein eigenes Kabel verlegt wurde, reicht heute oft eine Netzwerkleitung. Möglich macht das Dante, der weit verbreitete Standard für Audio über IP-Netzwerke. Wir erklären, wie Dante funktioniert, was Sie damit machen können und was Ihr Netzwerk dafür mitbringen sollte.
Dante in Zahlen
Quellen: Audinate, Herstellerdokumentationen (u. a. Yamaha).
am Markt
Dante wurde 2006 eingeführt und hat sich seitdem in der professionellen Audiotechnik etabliert.
Kanäle pro Gigabit-Leitung
Rund 512 Audiokanäle in 48 kHz und 24 Bit passen über eine einzige Gigabit-Netzwerkverbindung.
Latenz
Die Verzögerung ist einstellbar und hängt von der Größe des Netzwerks ab – üblich ist rund 1 ms.
Geräte allein 2023
So viele Dante-Geräte hat Audinate allein im Jahr 2023 ausgeliefert – ein Rekord.
Dante steht für Digital Audio Network Through Ethernet und ist ein Verfahren, mit dem Audiosignale digital über ein ganz normales Ethernet-Netzwerk übertragen werden. Entwickelt hat es das australische Unternehmen Audinate, das Dante 2006 auf den Markt brachte. Seitdem hat sich Dante zum Quasi-Standard in der professionellen Audiotechnik entwickelt: Hunderte Hersteller bauen Dante in ihre Geräte ein – von Mikrofonen und Mischpulten über Signalprozessoren und Verstärker bis zu Lautsprechern und Konferenzsystemen.
Jedes Dante-fähige Gerät hat einen Netzwerkanschluss. Darüber sendet und empfängt es Audiokanäle als Datenpakete – unkomprimiert, also ohne Qualitätsverlust. Alle Geräte hängen an Netzwerk-Switches und finden sich dort automatisch. Welches Signal wohin fließt, legen Sie anschließend per Software fest: Ein Klick verbindet etwa das Deckenmikrofon mit dem Konferenz-PC oder das Rednerpult mit der Beschallungsanlage.
Damit am Ende alles synchron klingt, gleichen sich die Geräte über das Precision Time Protocol (PTP) auf eine gemeinsame Uhr ab. Ein Gerät übernimmt dabei automatisch die Rolle des Taktgebers. Die Latenz, also die Verzögerung zwischen Eingang und Ausgang, lässt sich je nach Größe des Netzwerks einstellen – von 0,25 bis 5 Millisekunden. In der Praxis sind Werte um eine Millisekunde üblich. Das ist für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar.
Klassisch braucht jedes Mikrofon und jeder Lautsprecherweg eine eigene Leitung. In größeren Räumen entstehen so dicke Kabelbündel, sogenannte Multicores. Jede Änderung bedeutet: umstecken, nachziehen, neu verlegen. Lange analoge Leitungen sind außerdem anfällig für Brummen und Störungen.
Mit Dante läuft eine Vielzahl an Kanälen über ein einziges Netzwerkkabel. Ein Signal lässt sich gleichzeitig an mehrere Ziele verteilen, etwa an die Raumbeschallung, die Aufzeichnung und einen Livestream. Neue Räume oder Geräte binden Sie über das Netzwerk an, statt neue Kabelwege zu ziehen. Und weil das Signal digital bleibt, klingt es am Ende der Leitung genauso wie am Anfang.
Das Dante-Ökosystem
Rund um Dante gibt es Werkzeuge für Einrichtung, Computeranbindung, Bestandstechnik und Verwaltung. Klicken Sie auf eine Karte, um mehr zu erfahren.
Aus der Praxis
Wie Dante im Alltag hilft, zeigt der Sitzungssaal der Stadt Leer. Dort erfassen zwei Sennheiser-Deckenmikrofone vom Typ TeamConnect Ceiling Medium den gesamten Raum – ganz ohne Tischmikrofone. Über einen Dante AVIO USB-Adapter gelangen die Audiosignale verlustfrei zum Konferenz-PC und stehen dort für Videokonferenzen und Aufzeichnungen bereit. Der Vorteil: Statt zahlreicher Einzelleitungen genügt eine Netzwerkverbindung, und die Signalwege lassen sich jederzeit per Software anpassen. Den vollständigen Projektbericht mit LED-Wall und Konferenztechnik finden Sie in unserem Beitrag zum Sitzungssaal der Stadt Leer.

Netzwerk & IT
Dante läuft über Standard-Netzwerktechnik – aber nicht über jede Konfiguration gleich gut. Diese Punkte gehören in die Planung.
Für die meisten Anwendungen sind Gigabit-Switches die Grundlage. Kleine Anlagen kommen oft mit einem einfachen Switch aus, größere brauchen verwaltbare (managed) Modelle.
Takt- und Audiodaten müssen Vorrang vor anderem Datenverkehr haben. Dafür werden die Switches entsprechend der Vorgaben von Audinate konfiguriert.
Energy Efficient Ethernet (EEE) kann die Taktsynchronisation stören und zu Aussetzern führen. Auf Dante-Ports wird EEE deshalb deaktiviert.
Wird ein Signal an viele Empfänger verteilt, nutzt Dante Multicast. Mit IGMP-Snooping landen diese Daten nur dort, wo sie gebraucht werden.
Ein separates Netzsegment trennt Audio vom übrigen Datenverkehr – für Stabilität und Sicherheit.
Viele Dante-Geräte haben einen zweiten Netzwerkanschluss. Über ein physisch getrenntes Zweitnetz laufen dieselben Signale parallel – fällt das erste aus, übernimmt das zweite unterbrechungsfrei.
Häufige Fragen
